Selbständigkeit oder Angestelltenverhältnis

Business Man Jumping - Selbständigkeit oder Angestelltenverhältnis
Foto: Flickr, Mish Sukharev (Quelle: https://www.flickr.com/photos/mishism/5371077178)

Wenn du dich mit dem Thema „Karriere“ auseinandersetzt, wirst du dir eher früher als später eine grundsätzliche Frage stellen: Selbständigkeit oder Angestelltenverhältnis.
Da eine ansehnliche Karriere in beiden Bereichen möglich ist, möchte ich in diesem Artikel die wichtigsten Vor- und Nachteile ein wenig beleuchten.

Angestelltenverhältnis

Das Angestelltenverhältnis lässt sich meines Erachtens mit den Attributen Sicherheit, Einfachheit und Planbarkeit am einfachsten charakterisieren.

Sicherheit

Sicherheit deswegen, weil du grundsätzlich weißt, dass du auch am nächsten Tag noch deinen Job haben wirst. Denn dein Arbeitsvertrag garantiert dir dies. Zusätzlich bist du in Deutschland umfassend sozialversichert, so dass du gegen Krankheit, Erwerbsunfähigkeit und im Alter abgesichert bist.
Allerdings hat diese Sicherheit in den letzten Jahrzehnten schon deutliche Einschränkungen erfahren: Der durchschnittliche Lebenszyklus eines Unternehmens liegt in Deutschland bei nur noch 30 Jahren. Die Chance, dass du zeitlebens in ein und demselben Unternehmen arbeiten wirst, tendiert mittlerweile also gegen 0.

Einfachheit

Das Angestelltenverhältnis steht im Gegensatz zur Selbständigkeit auch für Einfachheit, weil du eine festgelegte Arbeitszeit pro Woche in einem festgelegten Arbeitsbereich mit klaren Aufgaben verbringst. Du bekommst grundsätzlich immer gesagt, was du zu tun hast und musst nur in einem sehr eng definierten Arbeitsbereich frei entscheiden. Für die in der Arbeitszeit erbrachte Leistung erhältst du eine feste Bezahlung. Ziemlich einfach also.

Planbarkeit

Dadurch wird deine Karriere und dein Leben insgesamt auch planbarer: Du hast in der Regel schon ziemlich konkrete Vorstellungen davon, welche Karriere-Stufe und welches Gehalt du in einem Zeithorizont von 5 Jahren oder mehr erreicht haben wirst.
Es lässt sich sogar das Lebenseinkommen eines Angestellten in deiner Branche relativ zuverlässig prognostizieren.

Einkommen und Ausbildung

Das zeigt aber gerade auch einen der größten Nachteile des Angestelltendaseins: Dein potenziell zu erwartendes Lebenseinkommen ist nicht nur planbar, sondern auch ziemlich beschränkt. Du weißt, dass deine Gehaltserwartungen nie grenzenlos sein werden, sondern immer durch deinen Arbeitgeber beschränkt.
Zusätzlich sind die sehr lang gewordenen Ausbildungszeiten in Deutschland nicht zu unterschätzen. Die Zeiten, in denen man mit 8 Jahren Schule und einer dreijährigen Lehre ein lebenslang ansprechendes Einkommen zu erwarten hat, sind lange vorbei.
Wer heutzutage in der Industrie bei einem namhaften Mittelständler oder Konzern in der Produktion tätig ist, kommt um Weiterbildungen zu Meister und Techniker gar nicht mehr herum.
Ich selbst habe, bevor ich in den Bereich Corporate Finance gegangen bin, 13 Jahre Schule, 2 Jahre Lehre und 7,5 Jahre Studium absolviert. Das entspricht einer Ausbildungszeit von mehr als 20 Jahren und das sagt wohl alles!

Selbständigkeit

Die Selbständigkeit ist demgegenüber (je nach Beruf und Branche) grundsätzlich ohne jegliche Berufsausbildung möglich. Es ist theoretisch jedem möglich, sich selbständig zu machen, ohne jemals eine Schule von innen gesehen zu haben.

Berufs- und Branchenerfahrung

In der Praxis sieht die Sache natürlich wieder anders aus: Abgesehen von z.B. den berufsständischen Beschränkungen in Handwerk und Freien Berufen ist auch sonst ein gewisses Maß an Bildung hilfreich bis dringend notwendig. Um im Wettbewerb mit anderen bestehen zu können, sollte schon ein akademischer Grad oder Titel bzw. ein berufsbezogener Abschluss stehen. Auch potenziellen Kunden gegenüber könnte ein entsprechender Abschluss Seriosität und Vertrauen vermitteln.
Gerade für den mit der Unternehmensgründung und -führung verbundenen Administrationsaufwand ist vorhergehende Berufserfahrung in der gleichen Branche und ein Mindestmaß an kaufmännischer Erfahrung sehr hilfreich. So können grobe Fehler am Anfang oder hohe Kosten durch Auslagerung vermieden werden.

Freiheit und Selbstverwirklichung

Das wichtigste Argument für die Selbständigkeit ist aber meiner Meinung nach die Freiheit und Flexibilität; verbunden mit Selbstverwirklichung. Die Möglichkeit etwas mit unternehmerischem Wagemut von Grund auf selbst aufzubauen, zum Laufen zu bringen und für die Nachwelt zu hinterlassen ist eine schöne langfristige Motivation. Und eine solche kann einem als Angestelltem von den wenigsten Unternehmen geboten werden.

Einzelkämpfer

Diese Freiheit hat aber auch ihre Schattenseite: Prinzipiell liegt der gesamte administrative Aufwand auch beim Unternehmer selbst. Er muss sich mit Dingen beschäftigen, die in einem arbeitsteilig organisierten Konzern von anderen (Spezialisten/Entscheidungsträgern) übernommen werden. Das führt auch dazu, dass ein Unternehmer 24/7 arbeitet. Ich habe von vielen Selbständigen und Gründern gehört, dass sie gerade in der Anfangsphase an Wochenenden oder Urlaube nicht einmal denken durften.
Allerdings sagen auch fast alle von ihnen, dass sie es gern gemacht haben und es sich gelohnt hat.

Der Mittelweg

Für mich scheint ein Mittelweg aktuell lösungsrelevant zu sein: Ich befinde mich nach wie vor in einem Angestelltenverhältnis und habe auch nicht vor, dieses kurzfristig aufzugeben.
Allerdings trage ich mich schon seit Beginn meiner Karriere mit dem Gedanken, irgendwann ein eigenes Unternehmen zu gründen und zu führen.
Nun bin ich vor kurzem auf das Buch „Smart Business Concepts“ von Ehrenfried und Brigitte Conta Gromberg
gestoßen, und bin nach dem Lesen nun wieder bei diesem ursprünglichen Gedanken.
Insbesondere fand ich das vorgestellte „Langlauf-Modell“, demzufolge man aus seinem angestammten Angestelltenverhältnis schrittweise in die neue Rolle als Unternehmer („Solopreneur“) wechseln solle.
Und das scheint für mich ein realistischer Mittelweg zu sein. Die Sicherheit und anderen Vorteile + Erfahrungen eines Angestelltenverhältnisses nutzen, um sich so schrittweise eine Selbständigkeit aufzubauen.

Vor knapp zwei Jahren hat die Karrierebibel auch einen schöne Entscheidungshilfe zu dem Thema konzipiert:
http://karrierebibel.de/jobwechsel-oder-selbststaendigkeit-66-entscheidungshilfen/

 

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