Daygame Handschuhe

Gestern hat mich doch mehr motiviert, als ich ursprünglich gedacht hatte. Insgesamt stelle ich an mir selbst immer noch fest, dass ich oftmals das Gefühl habe, weniger motiviert zu sein, als ich es dann schlussendlich doch bin. Zumindest zeigen das dann die Resultate. Aber der Reihe nach: Die gestrige Nacht war eine der schwierigeren. Ich habe vor zwei Monate wieder mal eine neue Runde Detox gestartet. Just in einer Phase, in der ich meine Auftraggeber und meinen Lebensmittelpunkt gewechselt habe. – Ich hätte ja Langeweile, wenn ich nicht an drei Baustellen gleichzeitig arbeiten würde. 😀 

Die Schmerzen waren letzte Nacht so groß, dass ich weder schlafen noch die Nacht genießen konnte. Ich wollte einfach nur allein sein und habe weiter Aldous Huxley‘s „Brave New World“ gelesen. Gespenstisch, wie nah wir dieser Dystopie kommen und die Mehrheit gleichzeitig weiter jubelt. Aber das soll hier nicht das Thema sein.

Die Nacht war den Schmerzen entsprechend kurz und der heutige Morgen entsprechend schwerer, die Gelenke schmerzten und ich fühlte mich insgesamt hundeelend. An solchen Tagen muss ich meine Hände aktuell einbandagieren oder eben Handschuhe tragen. Weiße Baumwollhandschuhe – du kannst mich also der Butler, Pantomime oder wahlweise auch Miss Daisys Chauffeur nennen. 🙂

An solchen Tagen fällt es mir entsprechend schwer, Mandanten, Geschäftspartnern, Anwälten und mit wem ich sonst so im Tagesverlauf zu tun habe, unter die Augen zu treten. Eigentlich würde ich mir an solchen Tagen daheim die Decke über den Kopf ziehen und Netflix einschalten. Aber das bringt – erfahrungsgemäß – auch nichts. 

Als ich dann am Nachmittag mit einer russischen Freundin von einem Meeting mit Anwälten in Larnaca zurück kam, sah ich an der Bushaltestelle unseres Ortes ein Mädchen sitzen, das sofort wieder meine Daygamer-Instinkte weckte. Ich fuhr kurz meine Freundin nach hause und überlegte dann, wie ich bei dem Bushaltestellen-Target vorgehen könnte. Nach kurzer Überlegung entschied ich mich aber dagegen – aus folgenden Gründen:

  1. Mädchen sind wie Straßenbahnen – die nächste kommt bestimmt. Einer hinterher zu rennen, bringt nur Unglück.
  2. Es ist ein kleiner Ort und ich hatte sie schon einmal gesehen. Die Wahrscheinlichkeit ist entsprechend hoch, dass ich sie wieder sehen werde. Da wäre ein vorschneller Approach unnötig und würde mir zukünftige Chancen versauen.
  3. Meine Handschuhe.

Der dritte Punkt gar mir wirklich zu denken: Wie sollte ich in den nächsten Wochen – so lange werden meine Detoxprobleme wohl noch anhalten – gamen können, wenn ich an jedem zweiten Tag diese blöden Baumwollhandschuhe tragen muss?
Eine andere Freundin brachte mich da auf die Idee, mir doch Lederhandschuhe zu kaufen – wie Karl Lagerfeld. Stimmt, der hat immer Lederhandschuhe getragen, um seine Hände zu schützen. Das kann ich auch und denke mir dann noch irgendeine verwegene Story dazu aus. Also bestellte ich mir bei Ebay ein paar Lederhandschuhe ohne Finger. 

Allerdings werden diese – wir sind ja in Zypern – erst in ein paar Wochen kommen. Meine Daygamer-Instinkte (oder ist es nicht doch eine Sucht?) waren nun aber schon einmal geweckt und ich wollte heute nach der Arbeit gerne noch mindestens ein Set machen.

Also zog ich mir für meine heutige Runde Daygame in Larnaca meine Fitnesshandschuhe an. Im Halbdunkel fällt das eh kaum auf. Allerdings ist das mit dem abendlichen Daygame in Larnaca nicht so einfach aktuell. Es ist aktuell noch außerhalb der Saison und dank des “Killervirus” sind eh kaum Touristen hier. Es blieb daher tatsächlich bei einem mickrigen Set mit einer Japanerin, die sich bei näherer Betrachtung als älter und asiatischer entpuppte als ursprünglich angenommen. Die Masken machen es auch nicht einfacher. Ich ejecte relativ schnell als sich die Gelegenheit anbot und sie konnte mit einem Kompliment nach hause gehen. 

Ich bin sehr gespannt, wie sich die Situation in Daygame und Nightgame hier weiter entwickelt. An den Wochenenden werden ich jedenfalls weiterhin die anderen Orte der Insel anfahren, damit ich hier in Larnaca nicht bald alles verbrannt habe. 

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